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Wie alles begann:

Nach der Ausbildung zum "Energieanlagenelektroniker" bei Siemens, kam kurze Zeit später ersteinmal 15 Monate Bundeswehr. Einer der weniger Vorteile war, daß diese Zeit wegen "berufsnaher Verwendung" voll als Berufspraxis gezählt wurde. So konnte ich ohne Zeitverlust 1988 gleich auf die Technikerschule gehen. Dort korrigierte ich auch meine Berufswahl von der Energieelektrik zur Datenelekronik. Nach zwei Jahren Tagesschule hatte ich diese erfolgreich abgeschlossen. Zu dieser Zeit konnte man sich seinen Arbeitgeber noch aussuchen. Meine Wahl fiel auf die damalige ABB-Verkehrstechnik. Im Laufe der Jahre hat sich der Name meines Arbeitgebers immer wieder geändert.

ADtranz Deutschland

Zuletzt waren wir noch unter dem Namen ADtranz ein Teil von Daimler-Chrysler. Inzwischen sind wir an Bombardier aus Kanada verkauft worden. Damit gehören wir zum weltgrößten Anbieter von Eisenbahntechnik. Wie immer gibt es neue Visitenkarten usw., aber die Arbeit selbst bleibt unverändert.

Mein Aufgabenbereich:

Bombardier verkauft komplette Straßenbahnen, Loks und Reisezugwagen. Aus Mannheim kommen die elektrischen Komponenten. Meine Abteilung (inzwischen bei Firma Liebherr angesiedelt) ist für die Klimaanlagen zuständig. In meiner Gruppe werden hauptsächlich die Regelungen für die Klimaanlagen programmiert. Ich selbst bin hauptsächlich für Straßenbahnen zuständig.

Weiterhin kommt von mir die Prüf-Software MicServ für den PC. Damit prüft der externe Hersteller die Klimageräte bereits vor Auslieferung bzw. Einbau in den Wagen. Weiterhin nehmen wir selbst damit unsere Regelungen in Betrieb. Später bekommt sie auch der Kunde, damit er die Klimaanlage überprüfen und warten kann.

Klimagerät für Fahrerstand

Bahnflotte

Grundlage meiner Arbeit ist der Schaltplan der Klimaanlage. Daraus wird das Regelkonzept festgelegt und in einer Speicher-Programmierbaren-Steuerung (SPS) als Programm erstellt. Darin enthalten ist auch die Anlagenüberwachung, die selbstständig Fehler aus der Anlage erkennt, an den Fehlerspeicher des Fahrzeugs weiterleitet, sowie Abhilfemaßnahmen oder Notprogramme für die Klimaanlage festlegt. Man glaubt nicht wieviel komplizierte Technik hinter einer Klimaanlage in einem Schienenfahrzeug steckt.

Computerarbeit

Dampflok in Fahrt

Mein Opa wäre früher sehr froh über solch eine komfortable Klimaanlage gewesen. Stattdessen hat er sich in "den guten alten Zeiten" bei der OEG auf dem Fahrerstand der Dampflok stehend im Freien seine Gesundheit runiert. Mit der Technik haben sich die Zeiten eben geändert. Heute haben die Fahrer eine eigene Klimaanlage mit verstellbarer Temperatur und einen gepolsterten Sitz. Sogar ein Kühl- / Heizfach für Getränke ist teilweise vorhanden.

Wenn die Klima-Software "fertig" ist, geht es damit auf das Fahrzeug. Das ist entweder in der Waggonfabrik oder schon beim Kunden. Im Gegensatz zu einem Auto ist ein Schienenfahrzeug mit Auslieferung noch lange nicht fertig. Vieles muß erst noch erprobt, getestet und nachgebessert werden. Vieles kann man eben erst auf dem kompletten Fahrzeug bzw. im Betrieb feststellen. Was ein Autohersteller im Crash-Test verheizt, ist bei uns schon die komplette Serie. Jede Serie für einen Kunden ist eine Neuentwicklung, die bei Auslieferung aus der Waggonfabrik noch nicht vollständig ausgereift ist.

Inbetriebnahme auf dem Fahrzeug (U-Bahn Wien)

Zuerst werden die Signalwege, d.h. die Verdrahtung überprüft. Die beste Software ist machtlos, wenn die Ein- und Ausgänge der Regelung nicht richtig weitergeleitet werden. Weiterhin die Ein- und Ausgangs-Signale über Bus-Systeme. Danach kann die Software getestet werden. Zuerst wird die Lüfter getestet. Anschliesend wird voller Heizbetrieb und danach Kühlbetrieb angefordert. Da muß die Anlage und Regelung zeigen, was sie können. Mängel an der Anlage oder der Regelung zeigen sich so recht schnell. Läuft auch dieses fehlerfrei, werden die Details und die ganzen Betriebsarten untersucht. Meldet die Anlagenüberwachung auch jeden Fehler, wenn ein Sicherheitsorgan auslöst und auch nur dann.
Einschränkungen der Anlage bzw. des Wagens werden von der Klima-SW mit entsprechend angepassten Regelkonzepten ausgeglichen. Ein Softwaretausch ist immer der geringste Aufwand.

Mit diesem Stand kann das Fahrzeug mit gutem Gewissen in den Probe- und später auch in den Fahrgastbetrieb gehen. Während dieser Anfangszeit ergeben sich noch Änderungswünsche des Kunden oder auch noch Probleme, mit denen man vorher nicht rechnen konnte.
Besonders in dieser Phase finden Probefahrten ohne Fahrgäste statt. Obwohl vorne am Zuganfang groß "Werkstattfahrt" steht, gibt es immer Leute, die trotzdem einsteigen wollen. Versicherungstechnisch darf dies aber nicht sein. So ein neuer Wagen zieht auch immer die Blicke der Leute auf sich. Was da mit den vielen Laptops innen wohl gemacht wird? Irgendwie kommt man sich dann vor wie im Zoo. Fehlt nur noch ein Schild "Bitte nicht füttern" ;-)

Zum Abschluß werden zur kalten Jahreszeit noch Temperaturmessungen durchgeführt. Dabei wird das Fahrzeug überall mit Temperaturfühlern ausgestattet. Die Qualität der Klimaanlage und Regelung wird dabei untersucht evtl. verbessert und dokumentiert. Es folgen noch Optimierungen der Regelparameter. Damit ist die Regelung fertig, aber meine Aufgabe ist immer noch nicht beendet:
Der Kunde bekommt noch eine
- Beschreibung der Klimaregelung
- Prüfsoftware zum Abfragen von Prozesswerten und Fehlermeldungen aus der Klimaanlage.
- Schulung für das Wartungspersonal in den Werkstätten.

Kompaktregler für Klimaanlagen
Kompaktregler 11HA12

Als letztes wird die Klima-Software archiviert, damit später bei Nachbestellungen des Kunden, die Klimaregler gleich mit der notwendigen Klima-Software für dieses Fahrzeug ausgeliefert werden kann. Das erledigt aber die Abteilung für die Ersatzteile. Ob nun hundert oder nur ein Fahrzeug bestellt wurde, meine Arbeit bleibt die gleiche.

Im Laufe der Zeit kommt man bei Dienstreisen viel in Deutschland und sogar im Ausland rum. Die Bekantenn meinen immer, wie schön es wäre, auch mal in einer anderen Stadt zu sein. Nein, Dienstreisen sind kein Urlaub. Man hat jede Menge zu tun, und hat keine Zeit sich die Städte anzuschauen. Ich war schon sehr oft in Dresden, kenne aber nur die Strecke zwischen Bahnhof, Hotel, Verkehrsbetriebe und Autobahnanschluß. Mehr nicht!
An pünktlichen Feierabend ist auch nicht zu denken. In der begrenzten Zeit muß eben die Arbeit erledigt werden. Verzögerungen beim Bau der Straßenbahnen drücken die Termine am Ende zusammen. Die Inbetriebnahme findet eben ziemlich am Schluß der Fahrzeuginbetriebnahme statt. So läuft auch einiges an Überstunden auf und das Privatleben leidet. Zu oft mehr als mir recht ist.
Um die Situation zu verbessern, arbeite ich daran, Laptops und Klimaregler über das Internet bzw. Handynetz zu vernetzen. Dann kann man vom Büro aus die Prozesswerte aus dem Klimaregler auslesen. So bereits geschehen bei der Straßenbahn in Bergen/Norwegen.

bisherige Projekte

Links zum Thema Eisenbahn:

Märclin
Das Eisenbahn-Web (mit vielen weiteren Links)
Bahnbilder.de

Dampflok